24.05.2025 Schaffhausen – Regensburg – Schaffhausen | 603 km deklariertes Zielrück | 644 km Gesamtflugstrecke
Kaum war die Schweizer Meisterschaft vorbei, lag ich nicht etwa entspannt irgendwo in der Wiese. Als die Rangverkündigung in Grenchen durch war, hängte ich den Hänger mit Flieger ans Auto, tippte „Schaffhausen“ ins Navi ein und somit war ich schon wieder auf dem Weg zur nächsten Herausforderung:
Ein deklariertes 600-km-Zielrück, mein bisher größter Flug stand bevor.
Zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch nicht ahnen, dass dieser Tag mein längster und erfolgreichster Flug werden sollte.

Doch wie kam es dazu?
Bereits während der Schweizer Meisterschaft behielt ich ständig die Wettermodelle fürs Wochenende im Blick. Vor allem die Schwäbische Alb zeigte vielversprechende Bedingungen fürs kommende Wochenende: frühe Thermik, hohe Wolkenbasis und gute Steigwerte.
Einzig die angekündigte Abschattung gegen Abend bereitete mir Sorgen.
Als sich die Möglichkeit ergab, am Samstag nach der Schweizer Meisterschaft von Schaffhausen aus zu starten, war für mich klar: Ich nehme sie wahr.
Noch am Freitagabend, direkt nach der Rangverkündigung, machte ich mich mit meinem Gespann auf den Weg nach Schaffhausen. Dort richtete ich mich für die Nacht im Auto ein, einfach aber praktisch. Bevor ich die Augen schloss, checkte ich nochmals die Wettermodelle und ausserdem optimierte die Aufgabe:
Ein 603-km-Zielrückflug – von Schaffhausen nach Regensburg und zurück.

Frühstück, Flieger aufrüsten, Briefing & Abflug
Am Samstagmorgen zeigte sich der Himmel blau, die ersten Cumulus-Wolken entstanden bereits früh.
Nach einem schnellen Frühstück beim Auto, dem Aufrüsten des Fliegers und dem Briefing mit der Segelfluggruppe Schaffhausen war ich bereit.
Der Einstieg in den Flug war etwas zäh, aber nach dem Überflug der Startlinie bei Blumberg lief es rund.


Auf dem Weg nach Regensburg
Ich flog vorbei an Klippeneck, einem Fluggebiet, das mir von früheren Fluglagern bestens vertraut war. Dadurch fühlte sich diese Gegend beinahe wie ein Heimspiel an. Das wiederum gab mir Sicherheit. Anschliessend ging’s Richtung Ulm, dann vorbei an Aalen und währenddessen behielt ich stets die Uhr im Blick.
Denn die Zeit war knapp kalkuliert: Regensburg musste ich spätestens um 15:00 Uhr erreichen, sonst würde es auf dem Rückflug mit der Thermik kritisch werden.
Ich optimierte jede Linie, suchte stetig die besten Steigwerte, hielt die Durchschnittsgeschwindigkeit hoch.
Und: Um 14:55 erreichte ich Regensburg. Der Moment, in dem ich den Wendepunkt überflog, war ein erster kleiner Meilenstein. Der erste Teil der Aufgabe war geschafft. Ich drehte ab, wendete zurück Richtung Schaffhausen und ein Thema kam nun immer mehr von Bedeutung: Die Abschattung aus Westen kam näher.


Rückflug unter Abschattung – der Kampf beginnt
Schon auf dem Hinflug Richtung Regensburg beobachtete ich Sie ständig: dichte Abschattung, die sich langsam aber stetig von Westen her vorschob. Während sie dort noch nicht allzu störend wirkte, wurde sie auf dem Rückflug zur echten Herausforderung.

Und dies machte sich auch spürbar je weiter ich in den Westen flog, das Licht am Himmel wurde merklich diffuser. Die Cumulus-Wolken verloren an Struktur, die Thermik wurde zäher. Mit noch über 150 Kilometern bis Schaffhausen wusste ich: Jetzt wird’s ernst zudem musste meine Konzentration auch nach 6h Flugzeit hoch behalten.
Der Schnitt sank langsam und mit ihm wuchs der Druck. Immer wieder überflog ich Gebiete, die im Sonnenlicht vielleicht getragen hätten nun aber keine brauchbare Thermik mehr hergaben. Die Thermikfenster wurden enger, die Entscheidungspunkte kritischer.

Besonders heikel wurde es in der nähe Flugplatz Mengen. Ich flog nacheinander mehrere Wolken an, ohne Erfolg. Die Höhe schmolz dahin, das Gelände kam näher, die Optionen wurden weniger. Kurz vor dem Flugplatz Mengen rettete mich ein Schlauch. Nicht stark aber genau genug, um mich wieder auf Arbeitshöhe zu bringen. Ich nahm jede Steigbewegung mit, der Flug war noch lange nicht gewonnen.

Endspurt – mit allem, was noch da war
Nach gut 7 Stunden Flugzeit musste ich nochmals alles aus mir herausholen. Daher durfte die Konzentration jetzt nicht nachlassen. Bei jedem Blick nach vorne, auf die Optik des Himmels, die richtigen Entscheidungen waren gefragt.
Die letzten 75 Kilometer machten den Flug aus. Ich spürte leichte Müdigkeit, aber der Wille, diesen Flug heimzubringen, war stärker.
Mit jedem Schlauch, den ich fand, stieg auch die Hoffnung. Ich freute mich regelrecht über jede kleine Wolkenstruktur, die mir einen brauchbaren Bart versprach und war immer wieder überrascht, wie gut einzelne Thermikschläuche trotz der starken Abschattung noch funktionierten.
Bei Neuhaus, nahe Klippeneck, erwischte ich meinen letzten Bart. Ich blieb lange drin, schraubte mich ein letztes Mal bis an die Wolkenbasis wohl wissend, dass es jetzt mit genügend Höhenreserve vollendet war: Der Endanflug stand an.

Ziel erreicht
Mit eingeplanter Höhe und einer sicheren Reserve drehte ich auf den finalen Gleitpfad Richtung Schaffhausen ein.
Und plötzlich wurde alles ruhig. Kein Kreisen mehr. Kein Rechnen. Nur noch Gleiten.
Ich schaute auf die Landschaft unter mir, auf das Cockpit, auf meine deklarierte Aufgabe und realisierte: Ich bin wirklich auf dem Weg zurück. Ich werde das schaffen.
Als ich die Ziellinie meiner Aufgabe überflog, durchströmte mich eine Welle aus Erleichterung, Stolz und purer Freude.
Ich konnte nicht anders: Ich jubelte laut im Cockpit, ein lauter Jutz vor Freude. Ganz allein in der Luft, aber mit einem riesigen Grinsen im Gesicht.
Nach über 8 Stunden Flugzeit war es vollbracht: Mein bisher längster, anspruchsvollster und emotionalster Flug, 644 Kilometer im Zielrückflug.

Rückfahrt und Rückblick
Nach der Landung in Schaffhausen war ich einfach nur glücklich. Ich stieg aus dem Flieger, streckte mich durch, lud meinen Flug bei WeGlide hoch, gültig!
Und noch besser: Mit diesem Flug übernahm ich die Führung in der nationalen Juniorenwertung.
Mithilfe der Segelfluggruppe Schaffhausen wurde der Flieger gereinigt und im Anhänger verstaut. Nach einer kleinen Stärkung im Clubhaus machte ich mich schließlich auf den Heimweg nach Altenrhein.
Ein intensiver, langer und unglaublich erfüllender Tag ging zu Ende und ich war stolz, glücklich und dankbar für dieses Erlebnis.
Und so war der Segelflieger nach einer Woche Schweizer Meisterschaft und einem Ausflug nach Schaffhausen wieder in Altenrhein. Die Erfahrungen, die ich gesammelt habe, waren intensiver, lehrreicher und emotionaler, als ich sie mir hätte vorstellen können.
Ich habe nicht nur fliegerisch dazugelernt, sondern auch persönlich: Ausdauer, Selbstvertrauen, mentale Stärke und wie viel sich erreichen lässt, wenn man an sich glaubt und bereit ist, dafür zu arbeiten.
Was dieser Flug ermöglicht hat
Ein riesiges Dankeschön geht an die Segelfluggruppe Schaffhausen, die mich so herzlich empfangen und unterstützt hat. Vom Briefing am Morgen, Schlepp bis zum Fliegerwaschen am Abend. Ohne ihre Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft wäre dieser Flug in dieser Form nicht möglich gewesen.
Solche Tage zeigen mir, warum ich für den Segelflug brenne. Und sie machen Lust auf mehr, auf neue Aufgaben, neue Abenteuer und neue Rekorde.


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